Wasser und Abwasser im Kleingarten

Seit Dezember 2018 hält eine Massenbefragung die Hamburger Vereine in Atem. Angeblich geht es der Behörde BUE darum, "Abwassermissstände" aufzudecken bzw. abzustellen. Ob dieses Argument nur vorgeschoben ist? Warum sollen im Kleingarten hygienische Zustände wie im 19. Jahrhundert herrschen? Warum keine saubere Lösung mit dichten Abwassertanks? Oder gleich der Anschluss ans öffentliche Abwassernetz. In Bremer Kleingärten geht das alles - völlig problemlos. Warum wird diese so einfache wie umweltfreundliche Lösung in Hamburg konsequent verhindert?

Die Fragebogen-Ausforschungsaktion ist überdies auch datenschutzrechtlich sehr fragwürdig.

Update März 2019: Nach Intervention der Schreberrebellen und Tausender Kleingärtner ist die Ausspäh-Aktion gestoppt worden! Der LGH hat nun eine "freiwillige" Befragung gestartet und sich dafür unter Umgehung der Vorstände direkt an deren Mitglieder und Pächter gewendet.

Indes teilt die Umweltbehörde auf hamburg.de mit:

"Über undichte Leitungen können Abwasser und die darin gelösten Stoffe austreten und in das Grundwasser gelangen. Hierbei spielen vor allem Haushaltschemikalien und - in wachsendem Maße - vom Körper ausgeschiedene Arzneimittel eine große Rolle. In vielen Flüssen werden bereits Arzneimittel nachgewiesen, die in den Kläranlagen mit konventioneller Abwasserbehandlungstechnik nicht zurückgehalten werden können. Auch wenn die gemessenen Konzentrationen in aller Regel noch sehr gering sind, muss diese Entwicklung mit großer Sorge betrachtet werden, da über die Langzeitwirkung auch geringer Spuren von Arzneimitteln in der Umwelt bisher wenig bekannt ist." (https://www.hamburg.de/abwasserleitung/)

Arzneimittel dürfen laut BUE also nicht durch undichte Leitungen teilweise im Boden versickern. Da gehen wir mit!

Aber man darf sie auf den Kompost kippen?? (Das fordert der LGH ja von den Kleingärtnern, die in ihrem Verein keine Abkippstation für die - vom Dachverband ebenfalls für gut befundenen - hoch umweltbelastenden Chemietoiletten haben.)

Der Kompost schafft also das, wozu selbst modernste, professionelle Abwasser-Kläranlagen nicht in der Lage sind?

Warum berichten die Medien nicht von dieser Sensation?

Lassen wir die Polemik nun beiseite. Der Kleingärtnerdachverband LGH muss sich endlich zum Umweltschutz bekennen. Die einzige Lösung für Menschen, die Medikamente einnehmen, sind dichte Abwassertanks, wie sie das Hamburger Abwassergesetz für privat genutzte Grundstücke auch vorsieht.

Auch - und gerade - Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, haben das Recht, einen Kleingarten zu nutzen. Und es kann nicht sein, dass diesen Menschen verweigert wird, umweltgerecht und in Würde ihre Notdurft verrichten zu können.

Deshalb fordern wir vom Kleingärtnerdachverband die uneingeschränkte Billigung von dichten, zertifizierten, umweltgerechten Abwassertanks in Kleingärten!

Dazu Peter Vossen, Vorsitzender des Stadtverbands Düsseldorf der Kleingärtner e.V.:

"Es wäre wünschenswert, wenn auch bei den Landesverbänden und dem Bund Deutscher Gartenfreunde ein Umdenken hin zu einem modernen Kleingartenwesen einsetzen würde. Wer sich Natur- und Umweltschutz auf die Fahne schreibt, der kommt an einer sauberen Abwasserentsorgung nicht vorbei. (...)

Zusammenfassend ist festzustellen: Alle Gartenfreunde, deren Gartenlauben an das Abwassersystem angeschlossen wurden, möchten diese Art der Entsorgung nicht mehr missen. Die Zeit der „Sickergruben“ ist vorbei. Es wird gesetzmäßig, sauber und umweltgerecht entsorgt."

(https://www.vdgn.de/vdgn-journal/2016/vdgn-journal-4-2016/beitrag/der-lange-weg-zum-kanal/)

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