Jahresrückblick 2019 - Teil 6

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Gärten gekündigt, Wälder gerodet: Was war, was ist und was uns 2020 bevorsteht

Unsere Stadtnatur wurde und wird weiter dezimiert, während sich die immer gleich aussehenden, geschmacklosen Wohnklötze weiter in unserer schönen Stadt ausbreiten und wir uns der angepeilten Grenze von 2 Millionen Einwohnern nähern. Das Märchen vom "bezahlbaren Wohnraum" glaubt kaum noch jemand. Bei einem Zuzug von etwa 20.000 Einwohnern pro Jahr - Tendenz steigend - wird es zukünftig nicht zu günstigeren, sondern zu immer teureren Wohnungen kommen, ganz egal, wie viel gebaut wird. Die Dauer der Sozialbindung wird ja kaum angetastet und so haben wir - trotz Mega-Bauboom - jedes Jahr weniger bezahlbare, preisgebundene Wohnungen für immer mehr Menschen.

Jeder Mittelschüler, der die Zahlen kennt, kann es sich leicht ausrechnen: Das so genannte "Wohnungsbauprogramm" ist in Wahrheit ein gigantisches Wirtschaftsförderprogramm für die Bauindustrie und Vermietungswirtschaft. Soziale Belange spielen dabei leider offenbar überhaupt keine Rolle. Wenn das so wäre, könnte bspw. die SAGA einfach die Mieten senken. Tut sie aber nicht, auch wenn sie 2017 mit gerade einmal 947 Mitarbeitern 200 Millionen Euro Gewinn nach Steuern "erwirtschaftet" hat. Und wer meint, dass der Bauwahn eine Antwort auf den Klimawandel ist, der hat den Knall wohl wirklich nicht gehört. Knapp 48 Jahre nach den "Grenzen des Wachstums" vom Club of Rome gilt in Hamburg immer noch das Credo "Wachstum um jeden Preis". Was dabei auf der Strecke bleibt? Nun ja, vielleicht Hamburg, wie wir es kennen und lieben.

Und so wurden im Jahr 2019 die zum 30.11.18 gekündigten Kleingärten des Vereins "Gartenfreunde der Mühlenkoppel" planiert. Aller Protest hat nichts geholfen, ein "Immobilienhai" darf dort seine Luxus-Hütten bauen und zum Verkauf anbieten. Und die Kleingärtner? Die müssen umziehen - auf eine Fläche, die laut Presseberichten nur noch ein Sechstel der Größe des gekündigten Gebiets hat! Ja, ein Sechstel. Das Gros der "geräumten" Kleingärtner soll in benachbarten Vereinen unterkommen. Nachverdichtung, ick hör dir trapsen.

Eine kleine Ausgleichsfläche an der Niendorfer Straße, die zum Zeitpunkt der Räumung doch noch nicht bereitstand, soll einen neuen Verein beherbergen. Dort plant man wieder einmal - ach was - ein "Pilotprojekt": Parzellen von ca. 120-140 m2 Größe (Sie lesen richtig) und dazu in der Mitte eine "Streuobstwiese", die dann für Bauprojekte andernorts als "naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche" ausgewiesen werden soll. So funktioniert das in Hamburg: Gärten platt machen. Fläche verlieren, aber die Parzellenanzahl erhalten, indem man die einzelnen Parzellen kleiner macht als die durchschnittliche Größe einer Wohnung in der Hafencity. Und dann eine große Wiese in die Mitte nageln, die es einem auch noch erlaubt, woanders in der Stadt in ein Landschaftsschutzgebiet hineinzubauen. Schlimmer geht es wohl nicht. Das ist "Grüne Politik 4.0", die wir in Hamburg leider seit Jahren beobachten dürfen.

Weitere Kündigungen stehen bevor. Dass das beliebte Aschbergbad in Hamm abgerissen wird, ist wohl schon beschlossene Sache. Auch der traditionsreiche Ernst-Fischer-Sportplatz soll verschwinden. Das Programm "Stromaufwärts an Elbe und Bille" fordert wieder einmal seinen Tribut. Nicht dass Hamm insgesamt durch besondere Schönheit aus den Stadtteilen hervorstechen würde, doch gerade deshalb ist es unverständlich, dass gerade dort die sozialen "Highlights" verschwinden sollen.

Ebenso bedroht sind die Gärten vom angrenzenden Verein Rückersweg. Acht Kolonien hat der Verein. Sieben Kolonien sollen dem Vernehmen nach gekündigt werden. Die Kleingärtner sollen sogar noch abstimmen, ob sie die Sache freiwillig mitmachen und ihre Parzellen widerstandslos teilen lassen. "Sanierungskündigung" auf Bestellung quasi. So oder so wird wieder wird viel Gartenfläche verloren gehen, die nicht ersetzt werden wird. Das ist das Prinzip der "Nachverdichtung im Bestand". Es ist allem Anschein nach darauf ausgerichtet, die Fläche der Hamburger Kleingärten systematisch um ca. ein Drittel zu dezimieren. Die frei gewordenen Flächen werden an Baukonzerne verkauft. Warum? Vielleicht, weil städtische Ämter in "Landeseigene Betriebe" umgewandelt wurden und da geht es um Bilanzen, um Erträge und um Geld, Geld, Geld. Ein Wirtschaftsunternehmen ist nun einmal an Profit interessiert, an nichts anderem. Nicht nur Grün verschwindet so, nicht "nur" Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Nein: Städtischer Grund und Boden wird privatisiert. In wenigen Jahrzehnten wird Hamburg eine Stadt ohne Grundbesitz sein und die Politik den privaten Bodenbesitzern ausgeliefert sein. Wir berauben uns unserer eigenen städtebaulichen Souveränität.

In Altona soll das Krankenhaus in großem Stil "erweitert" werden. Die Stadt beteiligt sich, wie man hört, mit Steuergeldern großzügig an den Kosten. Es ist ja auch nicht das Geld derjenigen Personen, die so etwas entscheiden. (Ob die Steuerzahler dann auch anteilig etwas von der Rendite abbekommen werden?)

Wir waren Anfang des Jahres auf der Infoveranstaltung zur Krankenhauserweiterung. Während sich die Planer in ihren Zukunftsplänen der Krankenhausstadt vor Euphorie überschlugen, wurde ganz am Ende der Veranstaltung die Katze mit den Kleingärten aus dem Sack gelassen: Sie kommen weg und zwar viel eher, als manche schon befürchtet hatten. Warum? Na ja, wo - wie in der "Neuen Mitte Altona" tausende neue Wohnungen entstehen, da wohnen dann zigtausende Menschen und die haben Kinder und die müssen irgendwo zur Schule gehen. Wer hätte das gedacht? Also alle Kleingärten weg und zwei Schulen draufgesetzt, geht doch. Die Kleingärtner müssen auf den in diesem Stück noch zu bauenden A7-Deckel. So nutzt das Land Hamburg den Deckel, um wertvolle städtische Flächen zu verscheuern. Was vorher neben der A7 war - Sport- und Spielplätze, Kleingärten und andere "unprofitable" Nutzungen - wird einfach auf die "billigen Plätze" auf dem Deckel abgeschoben. Die frei werdenden Sahnestücke werden dann an Spekulanten verkauft. Wieder verliert Hamburg für immer weitere schöne, gewachsene Ecken. Aber wen stört's? Und Bürger mit 'nem Willen... ach, man kennt das ja.

Zwei Wälder und 35.000 Bäume in Hamburg akut bedroht

Gleich zwei Wälder möchte die Stadt gerne weg haben und die Flächen zu Geld machen: Zum einen den Vollhöfner Wald in Moorburg/Altenwerder, wo allein 23.000 Bäume stehen. Die Sache war in den Medien. Massives Polizeiaufgebot. Baumschützer hatten sich in den Wipfeln verschanzt, mussten schließlich aufgeben. Immerhin wurde die Öffentlichkeit aufmerksam. Mit Sonntagsspaziergängen wird auf das Stück Natur vor unserer Haustür aufmerksam gemacht. Wer am 29.12. noch nichts vorhat, kann es sich ja mal überlegen. Unter vollhöfnerwald.de gibt's weitere Infos.

Zum anderen steht der Wald am Ernst-August-Ufer in Wilhelmsburg auf der Todesliste der Bauwütigen im Bezirk Mitte. 20 Hektar Grünfläche (30-40 Fußballfelder) stehen auf dem Spiel. Gegen den Kahlschlag des schönen Waldes haben die "Waldretter" ein Bürgerbegehren gestartet. Unterschreiben können alle, die ihren Wohnsitz im Bezirk Mitte haben. Sie müssen das bis April 2020 tun. Weitere Infos und Unterschriftenlisten zum Ausdrucken sind zu finden unter waldretter.de.

Weiter zu Teil 7: "Mehr Demokratie" - Eine einmalige Chance, um Bürgerwillen endlich verbindlich machen 


Kommentare.
Seiten:
1
Ernst
+8

Den geplanten Victoriapark habt ihr vergessen!

Veröffentlicht am 02.01.2020 15:57:59
Martha
+6

Habt ihr gar nicht auf Bild-Online die Repotage
über die gruseligen Mini-Gärten gesehen. Ich suche die Pressemeldung.

Veröffentlicht am 20.01.2020 18:26:50
Rolf
0

Grün und Rot ergibt Braun,in Hamburg Realität.Die Menschen hier sind einfach zu dumm zum wählen!!! Und grün ist die Farbe des Islamismus!!!!

Veröffentlicht am 03.02.2020 09:36:37
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