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Was wollen die Kleingärtner? Podiumsdiskussion am 09. Juni 2016 im Hamburger Rathaus

In einer spannenden Runde wurde über die Zukunft des Hamburger Kleingartenwesens diskutiert. Auf dem Podium waren Peter Ohm, Vorsitzender des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) und zwei Vertreter der frisch gegründeten Schreberrebellen - der ebenfalls eingeladene Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg (LGH) hatte leider kurzfristig abgesagt. Die Moderation hatte Stephan Jersch von der Bürgerschaftsfraktion Die Linke.

http://www.linksfraktion-hamburg.de/event/diskussion-was-wollen-die-kleingaertner/

Ausgangspunkt des Gesprächs war die prekäre Lage der Kleingärten, die in Hamburg stark bedroht sind und in den letzten Jahren bereits dezimiert wurden. Angesichts zahlreicher Bauvorhaben der nächsten Jahre sind zahlreiche Vereine von Räumung und Nachverdichtung bedroht.

Es wurde herausgestellt, dass Kleingärten in Hamburg nicht nur Erholungsgebiete und Flächen für den Obst- und Gemüseanbau sind, sondern auch erheblich dazu beitragen, das Stadtklima positiv zu beeinflussen. Auch ihre soziale Bedeutung als Stätten der Begegnung und lebendiger Gemeinschaft wurden hervorgehoben.

Die Diskussion drehte sich dann aber insbesondere um die Frage, wie die Hamburger Kleingärtner sich für den Schutz und Erhalt ihrer Flächen stark machen können. Dabei wurde die Rolle verschiedener relevanter Akteure herausgearbeitet. Hinterfragt wurde von den Anwesenden vor allem die Haltung des Kleingärtner-Dachverbands, dessen offenbar aktive Beteiligung an der Flächendezimierung und Nachverdichtung harte Kritik hervorbrachte. Als Beispiel diente hier die ersatzlose Vernichtung von 120 Kleingärten für das so genannte Pergolenviertel, aber auch die geplante Räumung und Bebauung von Dauerkleingärten (z.B. Mühlenkoppel in Lokstedt), bei denen man bisher davon ausgegangen war, dass sie besonders gesichert wären.

Viele der anwesenden Kleingärtner berichteten von der teilweise bedrückenden Situation in ihren Vereinen. Bemängelt wurde das ängstliche Klima, das in der Hamburger Kleingartenlandschaft geschürt würde. Die Rede war von ünangebrachten Kontrollen durch die Umweltbehörde, die als reines Druckmittel instrumentalisiert würden. Die Art, wie das Bundeskleingartengesetz durch Behörden und den Kleingärtner-Dachverband ausgelegt würde, sei gegen die Kleingärtner gerichtet. Diese fühlten sich gegängelt verstünden dies als Versuch, das Kleingärtnern unattraktiv zu machen, um auf diese Weise die Zugriffsmöglichkeit auf die betroffenen Flächen für geplante Bauprojekte zu erleichtern. Diese Ansicht wurde von erstaunlich vielen der Anwesenden sehr deutlich geteilt. Deutlich war bei allen Anwesenden der Wunsch, sich an der Bewahrung der Hamburger Kleingärten auch aktiv zu beteiligen.

Da bei den Kleingärtnern als auch den Vorständen ein Wissensdefizit hinsichtlich ihrer Rechte besteht bzw. ihnen offenbar gezielt falsche Vorstellungen vermittelt werden, ergab sich der Wunsch nach einem ersten Vernetzungstreffen der Kleingärtner-Basis. Mit dem Ziel, über konkrete Handlungsstrategien für den Erhalt von Gärten nachzudenken, bereits erarbeitete Strategien kennen zu lernen und über zentrale Themen aufzuklären, die derzeit viele Kleingärtner beunruhigen. Dazu gehören beispielsweise: Kontrollen durch die Umweltbehörde, eine neue Gartenordnung oder das abstruse Märchen vom Verlust der kleingärtnerischen Gemeinnützigkei.

Am Ende der Veranstaltung schlugen die Schreberrebellen daher vor, noch im Juni zu einem Vernetzungstreffen der Kleingärtnerbasis einzuladen, um Licht in dieses Dunkel zu bringen

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Kommentar der Schreberrebellen: Genau diese Unklarheit und Ungewissheit trägt dazu bei, die Kleingärtner und insbesondere die ehrenamtlich tätigen Vorstände zu verunsichern. Viele haben Angst, etwas Falsches zu tun oder sogar nur zu sagen. Wir wollen uns aber in unseren Gärten wohlfühlen und uns nicht zu Duckmäuschen machen lassen, denen man einredet, sie müssten still den Kopf einziehen und dürften nicht einmal kritisch nachfragen, wenn sie etwas nicht verstehen.
Wir Schreber sind keine Schwerverbrecher, die sich für irgendetwas schämen oder vor irgendetwas verstecken müssten! Sondern wir hegen und pflegen unser kleines Stück Hamburg und tun damit etwas für uns, für die Tiere, für das Stadtgrün und helfen mit, das Klima unserer Stadt zu regulieren. Dies kommt allen Menschen in Hamburg zugute. Darauf können (und sollten) wir stolz sein!

Das ängstliche Klima schmälert aber nicht nur die Freude des Einzelnen am Gärtnern, sondern es vereinzelt uns Kleingärtner, sodass wir keine Lobby haben und nicht mit einer Stimme sprechen. Stattdessen gibt es noch nicht einmal eine echte Diskussion der Hamburger Kleingärtner über die Zukunft ihrer Flächen, sondern eine Handvoll Funktionäre nimmt das in die Hand und trifft für uns alle Entscheidungen, die über kurz oder lang den Ausverkauf unserer Flächen bedeuten.

Deshalb ist es wichtig, zunächst dieses Angstklima aufzubrechen, indem in den konkreten Fragen für Klarheit gesorgt wird. Man kann viel sicherer auftreten, wenn man wirklich weiß, was einen erwartet - und vor allem: wovor man sich ganz sicher NICHT fürchten muss! Die meisten Sorgen sind nämlich völlig unbegründet und die Drohkulissen tatsächlich nichts weiter als eben Kulissen, deren einzige Funktion es ist, uns klein zu halten, indem wir dazu gebracht werden, uns ängstlich zu verkriechen. Nicht mit dem Stachelschwein!

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