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Gemeinsam gegen die Vernichtung von Kleingärten: Hamburger Schreber vernetzen sich

Hamburg/Hamburg-Hamm - Gut 80 Kleingärtner drängten sich am Samstag, 17.9. um 15 Uhr im Hauptraum der Dankeskirche in der Süderstraße, um bei einer Veranstaltung des neu gegründeten Vereins "Schreberrebellen" dabei zu sein.

Peter Ohm und Martin Herkenrath beantworten Fragen der Kleingärtner. Eingeladen hatten die Schreber-Rebellen.

Eine halbe Stunde vor Beginn ist der Saal schon gut gefüllt: Kleingärtner am 17.09.16 in der Dankeskirche (Hamm).

Die Schreberrebellen setzen sich gemeinnützig für den Erhalt von Naturflächen in Hamburg ein. Dazu zählen auch und insbesondere die Hamburger Kleingärten. Mit knapp 1500 Hektar stellen sie immerhin die größte städtische Grünfläche dar. 43.000 Mitglieder gärtnern in den derzeit 312 Vereinen der Hansestadt. Immer mehr dieser alten Gärten aber gehen für immer verloren, mit negativen Folgen nicht für Pflanzen und Tiere, sondern auch für die Atemluft und das Stadtklima.

Die Besucher konnten bei der Veranstaltung mit zwei hochkarätigen Gästen diskutieren: Niemand geringeres als Peter Ohm, Vorsitzender des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) aus Berlin, sowie der bekannte Hamburger Rechtsanwalt Martin Herkenrath waren gekommen, um die Fragen der Besucher u.a. zu den Themen Bestandsschutz und Erhalt von Kleingärten zu beantworten. Das Informationsbedürfnis der Kleingärtner war groß, sodass die Veranstaltung nach einer Pause noch um eine Stunde verlängert werden musste.

Die Kleingärtner hatten aber nicht nur Fragen, sondern sie berichteten auch von der Situation in ihren Vereinen. Auf vehemente Kritik stieß vor allem die so genannte "Nachverdichtung" von Kleingärten. Durch Teilung bestehender Parzellen wird die Anzahl der Parzellen künstlich erhöht. Dafür können dann an anderer Stelle ganze Vereine geräumt und die Flächen verkauft werden, ohne dass die Stadt Ersatz leisten muss. Mit jeder geteilten Parzelle wird ein Stück der Hamburger Kleingärten vernichtet.

Abgerissenes Behelfsheim, geräumte Parzelle - bereit zur Nachverdichtung

Abgerissenes Behelfsheim, geräumte Parzelle - bereit zur Nachverdichtung...

"Und zwar für immer. Was einmal weg ist, ist weg", ereifert sich ein Kleingärtner in der Pause. Und ein anderer kommentiert: "Damit wird das Bundeskleingartengesetz ausgetrickst, das eigentlich Ersatz garantiert." Dass der eigene Dachverband dabei mitmache, stößt einer älteren Dame übel auf, denn "den bezahlen wir immerhin mit unseren Beiträgen."

Angelika Traversin, 1. Vorsitzende der Schreberrebellen, sieht das ähnlich, stellt nach der Veranstaltung aber vor allem fest: "Zu den zentralen Erkenntnissen dieses Tages zählt für mich, dass sich die Problematiken in den Vereinen oft ähneln. Zu vielen Themen gibt es ein Wissensdefizit, das man aber recht einfach beseitigen kann, indem man die Leute informiert und indem man dafür sorgt, dass die Kleingärtner sich endlich zum Erhalt der Kleingärten zusammentun und sich miteinander vernetzen." Nach Beispielen gefragt, antwortet sie: "Beispielsweise glauben manche Kleingärtner ja immer noch, es gäbe keinen Bestandsschutz und ehemalige Behelfsheime sowie vor 1983 errichtete Lauben müssten abgerissen werden. Das stimmt einfach nicht und das muss man den Leuten einfach sagen."

Und die Nachverdichtung? "Die so genannte Nachverdichtung ist in der Tat ein großes Problem, weil sie zu einer fortwährenden und systematischen Vernichtung der Kleingartenflächen führt", so Traversin. Es sei daher auch "nicht hinnehmbar, dass die neue Mustersatzung und Gartenordnung, die der Dachverband seinen Mitgliedern anbietet, die Nachverdichtung explizit vorsieht. Es ist eigentlich unfassbar, dass sich die Vereine ihre eigene Dezimierung selbst in die Statuten schreiben sollen", findet die engagierte Kleingärtnerin.

Die Schreberrebellen haben deshalb mit anwaltlicher Unterstützung eine alternative Satzung erarbeitet, die sie allen Hamburger Gartenvereinen kostenlos zur Verfügung stellen wollen. "Der Alternativentwurf ist juristisch auf dem neuesten Stand, sodass es hinsichtlich der Anerkennung der Gemeinnützigkeit keine Probleme geben dürfte. Im Gegensatz zur bestehenden Mustersatzung ist der aber auf den Erhalt der Hamburger Kleingärten ausgerichtet und nicht auf deren sukzessive Vernichtung", so einer der Beteiligten. "Die alternative Satzung ist in der finalen juristischen Prüfung und wird demnächst auf der Website unseres Vereins kostenlos herunterladbar sein", ergänzt Traversin.

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