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Offener Brief an den LGH-Vorsitzenden Dirk Sielmann

Den nachfolgenden offenen Brief haben wir heute an den Geschäftsführer und Vorsitzenden des LGH, Dirk Sielmann, gesendet:


Offener Brief an Dirk Sielmann
SPD-Mitglied und Kandidat zur Bürgerschaftswahl 2020,
zugleich Geschäftsführer des Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg e.V. (LGH),
zugleich auch dessen 1. Vorsitzender,
zugleich Vorsitzender des Bundesverbandes der Gartenfreunde e.V.

Hamburg, 07.02.2020

Sehr geehrter Herr Sielmann,

aus aktuellem Anlass wende ich mich im Namen des Vorstands unseres Vereins mit diesem offenen Brief an Sie.

Der Interessenkonflikt zwischen Ihrer Parteifunktion und Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender und Geschäftsführer des Landesbundes

Wie Sie wissen, sind die Mitglieder unseres Vereins mit Ihrer Kleingartenpolitik nicht einverstanden. Das hat weniger mit Ihrer Person zu tun als mit Ihrer Funktion als SPD-Politiker. Als solcher tragen Sie beispielsweise das Bündnis für die Wohnungsindustrie mit, dessen desaströse Folgen allerorts zu beobachten sind. Während überall Stadtnatur verschwindet und durch geschmacklose Wohnklötze ersetzt wird, nimmt die Anzahl der Sozialwohnungen dennoch konstant ab. Der Grund ist die viel zu kurze Sozialbindung. Das Hamburger "Bündnis für das Wohnen" ist ein Programm, das die Profite der Bau- und Wohnungsindustrie sicherstellt. Mit sozialem Wohnungsbau hat es leider nichts zu tun.

Als Vorsitzender des Landesbundes der Gartenfreunde e.V. (LGH) setzen Sie sich aktiv dafür ein, bestehende Parzellen zu verkleinern. Verharmlosend wird dieser Angriff auf die Hamburger Kleingartenflächen als Nachverdichtung im Bestand bezeichnet. Da die Gesamtzahl der Parzellen konstant gehalten wird, führt dies zu einem erheblichen Nettoverlust an Gartenfläche. Mit jeder nachverdichteten Parzelle wird die Gesamtfläche der Hamburger Kleingärten dauerhaft verringert. Dieses Vorgehen steht in krassem Widerspruch zu den Zielen des LGH, dessen satzungsgemäße Aufgabe es ist, das Kleingartenwesen zu fördern. Die dauerhafte Vernichtung von Kleingartenflächen ist wohl das genaue Gegenteil davon.

Nun haben Sie sich als Kandidat zur Bürgerschaftswahl am 23.02.2020 aufstellen lassen. Ihren Posten als Vorsitzender der Bezirksversammlung Mitte haben Sie daher zum 31.12.2019 niedergelegt, mit der Begründung, dass Sie "Interessenkonflikte vermeiden" wollen. [1]

Leider lassen Sie diese Umsicht gänzlich vermissen, was den viel größeren Interessenkonflikt betrifft, in dem Sie sich einerseits als SPD-Politiker und andererseits als Vorsitzender sowie Geschäftsführer des LGH befinden.

Zweckentfremdung Ihres Amtes als Landesbundvorsitzender und von Mitgliedsbeiträgen für die Bewerbung Ihrer Bürgerschaftskandidatur

In der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitung "Gartenfreund" wird in einem Artikel offen Werbung für Ihre Bürgerschaftskandidatur gemacht. Die Leser werden darin explizit dazu aufgefordert, Sie zu wählen. [2] Diese Wahlwerbung wurde offenbar mit Hilfe der Mitgliedsbeiträge der 43.000 Hamburger Kleingärtner finanziert.

Die Mitgliederzeitschrift erfüllt einen satzungsgemäßen Zweck des LGH, nämlich die gärtnerische Fachberatung und die Verbreitung das Kleingartenwesen betreffender Informationen. Einzig dieser Zweck rechtfertigt es, dass die Zeitung über die Mitgliedsbeiträge der 43.000 Hamburger Kleingärtner finanziert werden kann. Laut Satzung ist der LGH parteipolitisch neutral. Damit verbietet es sich, mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen für einzelne Parteien und deren Kandidaten Werbung zu machen. 

Die Zweckentfremdung von Mitgliederbeiträgen sowie die Ausnutzung Ihres Amtes als Landesbundvorsitzender, um Werbung für Ihre eigene Bürgerschaftskandidatur zu machen, zeigt, dass Sie nicht in der Lage sind, die widerstrebenden Interessen auszugleichen und das eine Amt vom anderen unbeeinflusst auszuüben.

Um das Hamburger Kleingartenwesen vor weiterem Schaden zu bewahren, fordern wir Sie auf, die Konsequenzen zu ziehen und Ihr Amt als Vorsitzender des LGH abzugeben. Machen sie den Weg frei für jemanden, der/die die Interessen der Kleingärtner widerspruchsfrei und wahrhaftig vertreten kann.

Es wäre schön, wenn den Delegierten des LGH zur Abwechslung einmal kein "zu wählender Kandidat" präsentiert würde, der entweder aus den SPD-Reihen kommt und/oder zuvor bei einem landeseigenen Betrieb angestellt war. Schluss mit dem Filz. Es wird Zeit, dass an der Spitze der Kleingärtner eine Kleingärtnerin oder ein Kleingärtner steht.

Über eine Reaktion rechtzeitig vor der Bürgerschaftswahl würden wir uns freuen - und die übrigen 43.000 Gartenfreunde in Hamburg sicherlich auch.

Mit freundlichen Grüßen

Benny Rimmler, Kleingärtner und 1. Vorsitzender Schreberrebellen e.V.


[1] Wochenblatt Billstedt/Horn, Ausgabe 1 vom 02.01.2020: "Sielmann sagte in einer persönlichen Erklärung, er bewerbe sich um einen Sitz in der Bürgerschaft. Das Gebot der Neutralität in seinem bisherigen Amt vertrage sich nicht damit."

[2] Hamburger Gartenfreund, Ausgabe Februar 2020, Regionalteil S. III, "Interview" mit Ingo Kleist: "Ich würde mich freuen, wenn viele Hamburger Gartenfreundinnen und Gartenfreunde Dirk Sielmann, der auf der Landesliste Platz 43 der SPD für die Bürgerschaft kandidiert, wählen (...)."

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Kommentare.
Seiten:
1
Walter
+25

Sehr Gut, was Sie da schreiben.
Auf unserer Jahreshauptversammlung am 1.2.20
lag am Eingang Parteienwerbung für die Mitglieder
aus. Und zwar von der oben genannten Person.
Diverse Mitglieder haben sich sehr aufgeregt.

Veröffentlicht am 07.02.2020 16:42:27
Uwe
0

Ich kenne da einen machtgeilen Despoten, der das Amt von D.S. gerne übernehmen würde.

Veröffentlicht am 07.02.2020 20:24:16
Mike
+27

Wenn ich Geschäftsführer und 1. Vorsitzender bin,
dann kann ich ja mit mir selber Geschäfte machen.
Ich kann mir selbst ein Gehalt festsetzen
(natürlich nicht ohne gewinnbringende
Altersversorgung) ach ein Dienstwagen kann es dann auch noch sein. Und, und und.
In Bayern hätte man gesagt .....das hat ein Geschmäckle . ( habe ich da etwas Falsch verstanden ?)

Veröffentlicht am 08.02.2020 08:47:46
Bergedorfer
+20

Danke für den Brief. Ihr spricht mir aus der Seele! Dachte ich traue meinen Augen nicht als ich das in der Garten Zeitschrift gelesen habe.

Veröffentlicht am 08.02.2020 18:18:26
Willy
+23

Na, und was berichten unsere überparteilichen und
unabhängigen Medien darüber ?
Schauen wir mal, wie die Absprachen da laufen.
Bloß nicht das Fell naß machen.

Veröffentlicht am 09.02.2020 11:15:38
Doris Wrede
+18

Vielen Dank für das Schreiben -auch wir waren erschüttert über diesen Missbrauch

Veröffentlicht am 10.02.2020 09:28:36
Klgv 142
+39

Würde mir wünschen, dass unser Vorstand sich auch mehr für seine Mitglieder einsetzen würde, so wie der in diesem offenen Brief. Unserer hat sich schon an der illegalen Fragebogen-Aktion (Abwasser) beteiligt und ist eher auf Kuschelkurs mit denen vom LGH. Meinen Respekt denen, die sich für uns gerade machen.

Veröffentlicht am 10.02.2020 10:36:36
Auch aus Klgv. 142
+26

Vielen Dank auch von mir für diesen Brief.
Es wurde mal Zeit, das es öffentlich ausgesprochen wird. Erschreckend finde ich nur das der NDR wieder nicht darüber berichtet. 43.000
Pächter sind davon betroffen und was hören wir ?
Nichts😡😡

Veröffentlicht am 10.02.2020 13:29:08
Teufelchen
+13

So einen offenen Brief sollte mal der Bund der Steuerzahler schreiben. Mir würde in der SPD
einige Personen einfallen die auch s o f o r t
zurücktreten sollen. Für den Bürger, der damit auch im Allgemeinen Steuerzahler ist, dass alles nicht mehr zu verstehen. Dem Kleinen nimmt man es und dem Großen gibt man es.
Es fängt mitdenken 624.000,—Euro beim Kleingärtner an und endet
bei den 47.000.000,— für die Warburg-Bank.🤮😡

Veröffentlicht am 15.02.2020 11:17:20
Dirk
+13

Erster Kleingartenverein im Ost von Hamburg
hat seine Sanierungskündigung erhalten.
Nachverdichtung und Neuordnung ist das
Teufelswerk.

Veröffentlicht am 15.02.2020 23:23:03
Erni und Bert
+13

Wenn ich diese Anzeige sehe:
Gartenfreunde wählen Siel.........ich kenne keinen
Gartenfreund , der auch nur daran denkt,
noch nicht einmal 1 Kreuz da zu machen. Geschweige die anderen.
Und steht nicht etwas in der Satzung von überparteilich und unpolitisch ? Vorstände aus den
einzelnen Vereinen müssen sich auch unpolitisch
verhalten, aber Hh-Mitte lässt grüßen.
Hat er es so nötig und solch eine Angst das er keine Stimme bekommt ?
Malsehen, die Genossen schaffen es schon.
( und nicht vergessen die 47.000.000,—Steuergelder, )

Veröffentlicht am 17.02.2020 15:34:55
Uwe
+11

Erni und Bert,
in unserem Verein KGV 436 Groß Borstel werden wohl über 50% ihr Kreuzchen für D.S. machen. Alle die, die unserm 1. Obergartenzwerg die Füße küssen.
Aber wenn das dicke Ende kommt sind alle am Jammern. Herr laß es Hirn regnen.

Veröffentlicht am 17.02.2020 16:33:11
Nur Erni
+13

Ja Uwe,leider ist es so. Am Rückersweg sehen es
jetzt die Kleingärtner auch. Erst hieß es, es wird nur geschätzt und im Janurar wird über die Sanierungskündigung abgestimmt. Jetzt haben sie alle die Kündigung bekommen. Da hat so keiner mit gerechnet. Es war anders versprochen !
Für die nächsten Jahre, man sieht es ja in den vielen anderen betroffenen Vereinen, wie lange es dauert. Und das vom eigenen Dachverband.😡🤮🤑

Veröffentlicht am 17.02.2020 17:39:49
Ich
+12

der Oberhirt vom Dachverband auf dem Plakat vor einer
blauen Holzhütte soll wohl symbolisieren das er einen Garten hätte. Nein, ein D.S. weiß es gar nicht wie es ist
mit so einer kleinen Fläche etwas anbauen zu wollen.
Er liefert die Kleingärtner aus um die Flächen zu vermarkten.
Als Vorsitzender und Geschäftsführer des LGH (was schon sehr anrüchig ist) sollte er vor den Gartenfreunden stehen und diese schützen.
Aber, zum Nachteil für die Kleingärtner arbeiten und dafür noch üppige Bezüge zu kassieren, das hat was.

Veröffentlicht am 17.02.2020 18:50:37
Klein Erna
+3

Hurra hurra sehr gut geschrieben. Dann werde ich jetzt mal Werbung machen. Ich kann diese Menschen nicht verstehen, die immer noch zu allem JA und AMEN sagen.

Veröffentlicht am 20.02.2020 20:28:25
Klein Erna
+5

Ich bin leider auch so ein Dummbatz. Aber es ist toll dass da endlich ma die Wahrheit ans Licht kommt. Man traut sich ja nicht, den Mund aufzumachen. Demokratie geht anders.

Veröffentlicht am 20.02.2020 20:32:14
Erni und Bert
+1

Guten Morgen zusammen, na da haben sich wohl keine Kleingärtner gefunden, die den n i c h t
Gartenfreund D. Sielmann..... wählen konnten oder wollten 🤔👍
Nachdenklich, hat ER wohl etwas falsch gemacht !
Ein Dachverband sollte für seine Mitglieder da sein.
Schade manch Einer braucht eben etwas länger.

Veröffentlicht am 26.02.2020 09:12:02
Klgv 142
+1

Vielleicht hat er auch zuwenig Würstchen und Frikadellen ausgegeben. Ha ha

Veröffentlicht am 26.02.2020 11:00:05
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