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"Hamburgs Grün aufwerten" - Offene Verhöhnung von Naturschützern, Kleingärtnern und Wählern durch die SPD

In einer Pressemeldung vom 28.11.2017 berichtet die Hamburger SPD-Bürgerschaftsfraktion von einer Aktion des Bundes zur "Aufwertung" des Hamburger Grüns. Der Bund gibt Geld, heißt es darin, um "Lebensräume in der Stadt zu schaffen, die man bisher nicht so nahe an Wohnsiedlungen und Straßen erleben kann". Das Kind hat auch einen Namen: "Natürlich Hamburg!"

Die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Monika Schaal, lobt in der Mitteilung "die schon jetzt hervorragende Versorgung unserer Stadt mit Grünflächen." Dank des Projekts könnten "Parks (...) naturnah weiterentwickelt und (...) Naturschutzgebiete weiter aufgewertet, erlebbarer und besucherfreundlicher ausgestaltet werden." Und als wäre das nicht genug, lässt sie sich sogar dazu hinreißen, dies als "eine starke Bestätigung der Grünpolitik des Senats" zu interpretieren.

Wir wollen und können das eigentlich nicht kommentieren. Es ist einfach zu bitter, so etwas lesen zu müssen. Der Hamburger Senat macht keine Grünpolitik, sondern Grünfraßpolitik.

Wer sich in Hamburg für den Erhalt von Grünflächen einsetzt, der weiß, wie schlecht es derzeit um unsere Grünflächen bestellt ist und welche unersetzlichen Naturareale wir Hamburger in den letzten Jahren verloren haben. Alles von braven Genossen und ihren "grünen" Steigbügelhaltern in den Bezirken durchgedrückt oder ganz stramm von oben durchregiert. Werte? Ideale? Moral? Verantwortung? Umweltschutz??? Wer die Mehrheit hat, muss auf solche Nebensächlichkeiten keine Rücksicht nehmen. Hauptsache, die Pressemitteilung ist knackig und das Pressefoto sitzt - am besten vor grüner Kulisse!

Die Wahrheit ist nicht grün, sondern grau: Allein in 2017 wurden z.B. über 160.000 Quadratmeter Kleingärten gekündigt. Unter dem Deckmantel des so genannten "Wohnungsbauprogramms" werden seit Jahren Investoreninteressen bedient und öffentliche Flächen reihenweise privatisiert. Sich angesichts dieser Umstände zur Vorreiterin des Naturschutzes machen zu wollen, ist Heuchelei und eine unsägliche Verhöhnung derjenigen, die für Hamburgs Grünflächen kämpfen und die den Grünfraß der letzten Jahre miterleben und aushalten mussten. Und für alle, die körperlich und psychisch darunter leiden, dass unsere Stadt immer grauer wird.

Die Meldung kann hier nachgelesen werden.

Zur Erinnerung an die bisherigen, erschreckenden Aktivitäten zur "Aufwertung" der Hamburger Stadtnatur durch die SPD listen wir hier einige Projekte der jüngsten Zeit auf:

2011-2013 Räumung und Planierung von Kleingärten in Wilhelmsburg - für eine Gartenschau.

2014 Räumung des Gartenvereins am Kellerbleek (Bahn-Landwirtschaft) "Tarpenbek Greens" in Groß-Borstel. Billig von der Stadt gekauft, war das Gelände danach Spekulationsobjekt für "Investoren" und wechselte die Besitzer, die prächtig daran verdienten. Die Kleingärtner wurden vertrieben, die Gärten wurden geräumt, hunderte Bäume gefällt.

2014 Fällung tausender Bäume in Langenhorn. Zynischer Name des Bauprojekts: "Waldquartier"

2015 Verkauf und Planierung des Gartenvereins Heimat Alsterdorf 

2016 Verkauf und Planierung des Gartenvereins Barmbeker Schweiz

2016 Rodung des sekundären Urwalds im Alsterdorfer Gleisdreieck. Offizielle Zahl: 2800 gerodete Bäume.

Ab 2016 forcierte "Nachverdichtung im Bestand" von Kleingärten (Foto zeigt den Verein Billerhuder Insel). Halbierung von größeren Parzellen mit anschließender Privatisierung des auf diese Weise in ganz Hamburg "gewonnenen" Flächen-Nettos. Nachverdichtungen in zahlreichen Vereinen in allen Hamburger Bezirken. Zudem Versuche, diese als "Hamburger Modell" bekannte Masche zur Liquidation öffentlicher Grünflächen in andere Bundesländer zu exportieren.

Seit 2015 Vorbereitungen zur Vertreibung des Kleingartenvereins "Gartenfreunde der Mühlenkoppel", um in Lokstedt den Bau von Eigentumswohnungen voranzutreiben.

2017 Beginn der Bebauung der Hummelsbütteler Feldmark, einer wichtigen Frischluftachse

2017 Planierung und Bebauung von Teilen des Öjendorfer Parks

2017 Kündigung von über 160.000 Quadratmeter Kleingärten. Betroffene Vereine: Groß-Altona, Sommerfreude, Am Grenzbach, Kolonie der Gartenfreunde, Unsere Scholle u.a.

2017 Verkauf der Kleingärten Stubbenkamp, Eimsbüttel und Wildwux an die Beiersdorf AG

2017 Planung eines Mega-Gewerbegebiets "Victoriapark". Geplanter Wegfall von bis zu 1000 Hektar (!) Landwirtschafts- und Grünflächen.

Bei diesen Angaben handelt es sich lediglich um eine unvollständige Auswahl!

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