Aktuelles

Der Ausverkauf unserer öffentlichen Flächen im NDR

NDR 90,3 hat in den heutigen 11 Uhr-Nachrichten einen kurzen Beitrag über den Protest der Schreberrebellen gegen das Hamburger Kleingartensterben gebracht.

Es gibt allerdings ein ganz großes Aber: Denn der Bericht enthält einen zentralen sachlichen Fehler und stellt unser Anliegen völlig verkehrt dar.

Die Kündigungen von Kleingärten erfolgt eben NICHT wegen Wohnungsbau, sondern um durch "Nachverdichtung von Parzellen im Bestand" die Anzahl der Kleingärten künstlich zu erhöhen, damit die Stadt Hamburg sich um die Ersatzlandpflicht laut Bundeskleingartengesetz drücken kann! Dies ist der eigentliche Skandal, auf den wir aufmerksam machen. Öffentlicher Grund, der allen Bürgern gehört, wird klammheimlich privatisiert und ein Bundesgesetz wird umgangen.

Im Bericht wird hingegen das Stereotyp "Grünflächen vs. Wohnungsbau" gefüttert, das nicht zutrifft und auch nicht unseren Äußerungen entspricht.

Wir haben uns noch NIE gegen Wohnungsbau geäußert!

Weiterhin bedauern wir es, dass Ergebnisse aus einem von der Behörde für Umwelt und Energie in Auftrag gebenenen "Gutachten" ("Analyse Kleingartenbedarf") ohne Quellenangabe wiedergeben werden, da dieses Papier Teil der Hamburger Strategie zur Flächenveräußerung ist. In anderen Städten, die ebenfalls nach Wegen suchen, ihre öffentlichen Flächen zu veräußern, wird bereits vom "Hamburger Modell" gesprochen.

Dass in Hamburg (von ca. 35.000) Gärten 200 leerstehen, ist ebenfalls eine unhaltbare Aussage, da die 311 Vereine in der Regel gut gefüllte Wartelisten haben. Auch hier ist das Gegenteil der Fall: In HH dürften derzeit weit über 1.000 Menschen auf eine Parzelle warten.

Wir hoffen, dass unsere Standpunkte und sorgsam recherchierten Hintergrundinformationen zukünftig korrekt wiedergeben werdem. Denn in diesem Bericht wurde unser Anliegen leider stark verfälscht und es wurde nicht ausgewogen berichtet.

Nachtrag vom 28.05.17, 20 Uhr:

Der gleiche Bericht kam in Kurzform als Meldung auch im Hamburg-Journal um 19:30 Uhr. Wie kann das sein?

So ziemlich ALLES in diesem sehr kurzen Beitrag widerspricht den leicht zu recherchierenden Fakten.

Bereits um 11:30 Uhr heute hatten wir eine Richtigstellung an den NDR gesendet. Wie kann es sein, dass die selben falschen Nachrichten um 19:30 Uhr noch einmal im TV verbreitet werden? Wo ist da die journalistische Sorgfaltspflicht?

Folgende Stellungnahme des NDR erreichte uns am 30.05.2017:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns, dass Sie so aufmerksam unser Programm verfolgen.  Und es tut uns leid, dass unsere Berichterstattung bei Ihnen für Verwirrung und Verärgerung gesorgt hat.

Anlass für uns das Thema aufzugreifen, war ein Brief von Ihnen, der unserer Redaktion zugespielt worden war.

Darin war durchgehend von Kündigungen von Kleingartenflächen wegen „Nachverdichtung“ die Rede. „Nachverdichtung“ ist ein feststehender Begriff aus der Wohnungsbaupolitik. Deshalb war für unsere Redaktion unmißverständlich klar, dass Sie damit den Flächenverlust wegen nachträglichen Wohnungsbaus beklagen.

Aus Ihrem Schreiben ging leider an keiner Stelle hervor, dass es sich um Nachverdichtung innerhalb der Kleingartenfläche handelt.

Weil diese wichtige Information in Ihrem Brief fehlte, kam es zu diesem Mißverständnis.

Wir bitten für diesen Fehler aufrichtig um Entschuldigung und hoffen, dass Sie uns weiterhin als Hörerinnen und Hörer gewogen bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

[Name entfernt]

Leitung Landespolitik

Norddeutscher Rundfunk
Landesfunkhaus Hamburg
NDR 90,3 und Hamburg Journal

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Kommentare.
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Manfred Reinsch

Journalistische Fehler können immer passieren, sie dann aber nicht zugeben zu wollen, ist typische Bürokratie-Praxis.
Fehler machen immer nur die Anderen.

Veröffentlicht am 22.07.2017 12:16:19
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