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Hamburger Bauindustrie will noch mehr Bebauung auf Kleingärten

Der Abendblatt-Autor Oliver Schirg kommentiert Aussagen von Vertretern der Bauindustrie, die den Hamburger Senat auffordern, mehr Grundstücke bereitzustellen, damit die Aufragsbücher auch in den kommenden Jahren bis zum Rand gefüllt bleiben können.

Aufstockung bestehender Gebäude würde zwar Grünflächen und dergleichen schützen, aber es schmälert die Profite der Baulöwen. Die wollen jetzt noch mehr an die Kleingärten ran als bisher. Schirg schlägt vor, auch über den Tellerrand zu schauen und außerhalb des Kerngebiets zu bauen. Aber er zeigt auch auf die Kleingärten:

"Die Unternehmer brachten die Verlagerung innenstadtnaher Kleingärten ins Gespräch. Das wäre sicher sinnvoller, als andere Grünflächen zu bebauen. Vorbild ist das Pergolenviertel in Barmbek."

Inwiefern es "sinnvoller" sein soll, Kleingärten zu bebauuen, erschließt sich einem nicht ganz. Die Bebauung von Grünflächen kann im dicht bebauten Hamburg mit seiner enormen Luftverschmutzung keine Option sein. Kleingärten sind wichtiger Rückzugsraum für Menschen und Tiere, sie sorgen für Erholung, reinigen die Atemluft und sichern ein erträgliches Stadtklima. In Kleingärten kommen Kinder in den Kontakt mit Natur, können Insekten, Igel, Vögel beobachten, auf Apfelbäume klettern und können miterleben, wie Pflanzen gesät werden, wie sie wachsen und schließlich geerntet und verarbeitet werden. In Kleingärten wird Integration gelebt. Kleingärten sind Schatzkisten: Klimaschatzkisten, Schatzkisten der Artenvielfalt und auch soziale Schatzkisten. Mit der Räumung von Kleingärten werden so viele wertvolle Strukturen zerstört, dass die ganze Stadt darunter leiden wird. Das tut sie schon jetzt.

Und wieder einmal wird die schreckliche Zerstörung von mehreren Kleingartenkolonien als "Vorbild" bezeichnet. Dabei ist gerade das Pergolenviertel ein Beispiel dafür, wie es NICHT laufen sollte. Die Kleingärtner mussten innerhalb von nur einem Monat ihre Gärten verlassen. Die Zustimmung des LGH zu einer Sofortkündigung machte es möglich. Hundert Jahre hatte es die Vereine gegeben. Da neue Flächen fehlten, haben die meisten Kleingärtner aufgehört. Die Restvereine dürfen jetzt noch für Kosten der Räumung aufkommen, müssen einen fünfstelligen Eurobetrag an Vattenfall zahlen für den Rückbau der Stromleitungen. Ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit über 10000 Unterschriften wurde auf Wunsch des Senats vom Oberverwaltungsgericht im Nachhinein (!) für ungültig erklärt, die Bebauung des Gebiets auf schändlichste Weise durchgepeitscht. Wenn diese Planungswillkür das Modellprojekt der Zukunft sein soll, dann gute Nacht.

Lesen Sie hier den Kommentar im Abendblatt.

 

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Kommentare.
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Janne

Ich moechte nicht in einer grauen Stadt leben. Es ist schlimm das die Stadt so viele Grundstuecke verkauft. Was soll da am Ende uebrigbleiben.

Veröffentlicht am 23.04.2017 08:24:50
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